Losdemokratie bedeutet, dass Entscheidungsgremien per Los besetzt werden – statt durch Wahlen. Was heute ungewöhnlich klingt, war in der ersten Demokratie der Welt, im antiken Athen, der Normalfall: Die meisten wichtigen Ämter wurden dort ausgelost, weil die Athener überzeugt waren, dass alle Bürger einander politisch auf Augenhöhe begegnen sollten. Auch wenn wir heute einiges anders machen würden als die Athener – geloste Entscheidungsgremien sind zentrale Bausteine jeder Losdemokratie. Diese Gremien bestehen in der Regel aus 25 bis 200 oder mehr gelosten Mitgliedern (je nach Wichtigkeit des Gremiums). Jeder Wahlberechtigte hat die gleiche Chance, in ein Gremium gelost zu werden, und jeder wird für seine Teilnahme angemessen entschädigt. Natürlich wird niemand dazu gezwungen werden, einer Einladung zu folgen – das wäre ja nicht im Sinne der Bürger, und es sind die Bürger selbst, die dieses System gestalten.
Heute werden themenbezogene Bürgergremien stark favorisiert, da sich die gelosten Bürger dort auf ein Thema fokussieren können, und so mehrere Gremien parallel abgehalten werden könnten (man würde also nicht einfach den Bundestag losen).

Bürgerräte und Losdemokratie
Bürgerräte sind eine moderne Anwendung des Losverfahrens – aber sie sind nicht dasselbe wie Losdemokratie.
- Bürgerräte bringen eine zufällig ausgewählte Gruppe von Bürgern für eine begrenzte Zeit zusammen, um Empfehlungen zu erarbeiten.
- In einer Losdemokratie gibt es viele geloste Versammlungen auf allen politischen Ebenen. Ihre Beschlüsse sind nicht mehr nur empfehlend, sondern verbindlich. Politische Macht wäre auf viele Schultern verteilt. Man wäre dem Ideal der politischen Ebenbürtigkeit aller Bürger viel näher als heute.
Bürgerräte zeigen heute, dass zufällig ausgeloste Menschen sehr wohl fähig sind, komplexe Fragen verantwortungsvoll zu bearbeiten. Aber sie haben keine verbindliche Entscheidungsgewalt.
- Zur Bürgerräte-Infoseite von Mehr Demokratie e.V..
- Infoseite über geloste Bürgergremien in Ostbelgien
Die Losdemokratie-Partei
Die Losdemokratie-Partei ist eine neue Partei, die August 2025 gegründet wurde, und momentan bundesweit zirka 80 Mitglieder hat. Ihr einziges Ziel ist, Losdemokratie in Deutschland zu fördern beziehungsweise umzusetzen. Konkret verfolgt sie dafür folgende Zwecke:
- Sie macht sich stark für die Empfehlungen von bereits stattgefundenen gelosten Bürgerräten (nicht ihre eigenen Ansichten).
- Sie fordert neue geloste Bürgerräte.
- Sie fordert verbindliche geloste Bürgerversammlungen, um sich so schließlich selbst überflüssig machen (siehe Grafik weiter unten).
Die Partei ist hier auffindbar:

Wo kann man mehr dazu lernen?
Videos
- Video zum Buch “Gegen Wahlen: Warum Abstimmen nicht demokratisch ist” von David van Reybrouk (eingedeutscht, 3 Minuten. Englisches Original)
- Demokratie, eine westliche Erfindung? von ARTE (23 Minuten)
Ausgewählte Videos des Bundesvorsitzenden der Losdemokratie-Partei:
- “Wir leben in einer Scheindemokratie”
- Losdemokratie: Warum gerade die höchsten Gremien im Staat demokratisch gelost sein müssen
Videos auf Englisch
- The Future of Reasoning von Vsauce (30 Minuten. Losdemokratie wird als Ansatz ab Minute 26 erwähnt, aber das gesamte Video lohnt sich)
- The Ancient Invention That Solves Corruption von Spectacles (28 Minuten)
- What if we replaced politicians with randomly selected people? TED-Talk von Brett Henning (10 Minuten)
- For fun: Subway take von Riz Ahmed (2 Minuten)
Artikel & Websites
- Analysen auf losdemokratie.info
- Wikipedia-Artikel zum Thema
- aleatorische-demokratie.de
- deliberativedemocracy.net (Website, die eine mögliche Zwischenlösung skizziert)
- equalitybylot.com (ein englischsprachiges Blog)
- Los-GPT (eine KI mit Expertise in Losdemokratie)
- For fun: Los-O-Mat
Ausgewählte Blogartikel vom Blog des Bundesvorsitzenden der Losdemokratie-Partei:
- Warum wir alle, wirklich alle Menschen als aktive Politiker brauchen
- Was wir von der ersten Demokratie der Welt lernen können
- Demokratie kann unsere Vertrauenskrise lösen (mehr dazu in diesem Blogpost)
- Demokratie oder Aristokratischer Streit oder Tyrannische Unterdrückung
- Woran die antike Demokratie gescheitert ist: Teil 1, Teil 2, Teil 3
Bücher
- Gegen Wahlen: Warum Abstimmen nicht demokratisch ist von David van Reybrouk
- Athen von Christian Meier
- Fairfassung von Clemens Oswald
- Politics without Politicians von Hélène Landemore (englisch)
- The Political Potential of Sortition von Oliver Dowlen (englisch)
- Lottocracy: Democracy Without Elections von Alexander Guerrero (englisch)